Episode 5: Barbieland
Shownotes
Was wäre, wenn Frauen weltweit die Macht übernehmen würden?
Wir sprechen mit dem Archäogenetiker Harald Ringbauer über die möglichen Ursprünge des Patriarchats, mit dem argentinischen Journalisten Ricardo Coler über seine Zeit bei den matrilinearen Mosuo in China und mit der Aktivistin Mingyeong Lee über die feministische Revolution in Südkorea. Die Folge zeigt, dass männliche Vorherrschaft kein Naturgesetz ist, und fragt, ob eine Welt unter weiblicher Führung gerechter, friedlicher oder einfach nur anders wäre.
Host: Khesrau Behroz Autorin & Guest Host: Paulina Bermúdez
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00:00:01: Hey, das Undenkbare ist eine Ko-Produktion von Andan und Storming Donkey Productions.
00:00:08: In sechs Episoden erzählen wir von Ereignissen die uns unmöglich erscheinen weil sie so radikal katastrophal und fantastisch wirken dass sie eigentlich undenkbar sind.
00:00:19: Schön, dass ihr zuhört!
00:00:39: Rom irgendwann im neunten Jahrhundert.
00:00:42: Von allen Kirchen leuten die Glocken Auf den Straßen drängen sich Tausende Menschen, Priester, Mönche, Pilgeinnen aus ganz Europa.
00:00:51: Sie alle sind gekommen weil sie eins wissen wollen – wer wird der neue Papst?
00:00:58: Ein Kardinal tritt vor die Menge und verkündet einen Namen Johannes Anglikus.
00:01:06: Für Johannes ist die Ernennung zum Papst der Höhepunkt seiner Karriere.
00:01:09: Klar vertreten Gottes auf Erden.
00:01:11: viel besser wird es nicht im neunten Jahrhundert in Europa.
00:01:17: Johannes wird achthundertviertzehn in Ingelheim am Rhein geboren.
00:01:21: Er fährt schon als Kind durch seine außergewöhnliche Intelligenz auf, später geht er nach Rom wo er in Kirchenkreisen schnell aufsteigt.
00:01:29: So ganz überraschend ist es also nicht dass er nach dem Tod von Papst Leo zu seinem Nachfolger gewählt wird.
00:01:38: In den folgenden Jahren führt Johannes die katholische Kirche.
00:01:41: Er spricht recht, predigt grün herrscher und erführt Krieg bis zu einem Sommertag in Rom.
00:01:51: Eine Prozession zieht durch die Straßen, das ist ein hoher katholischer Feiertag.
00:01:56: Geistliche Soldaten, Schaulustige und natürlich wieder Pilgerinnern.
00:02:01: Der Papst führt sie alle an.
00:02:03: Plötzlich bleibt er stehen – und sagt zusammen Er fällt zu Boden und krümmt sich, schmerz erfüllt.
00:02:12: In der Menge bricht Panik aus.
00:02:13: Alle drängen nach vorne um ihrem Papst zu helfen.
00:02:19: bis in den letzten Reihen noch zu hören ist.
00:02:22: Es ist der erste Schrei eines Neugeborenen, Der Papst hält es in den Arm.
00:02:28: Er ist sein Kind und er hat es soeben geboren.
00:02:33: Der Papster ist eine Frau.
00:02:36: Johannes heißt eigentlich Johanna.
00:02:45: Die Geschichte von der Pepsin Johanna die sich verkleidet um zum mächtigsten Mann der katholischen Kirche zu werden ist eine Legende aber eine ziemlich hartnäckige.
00:02:55: Sie taucht im dreizehnten Jahrhundert zum ersten Mal auf und wird seitdem weitererzählt und ausgeschmückt.
00:03:00: Hier irgendwo muss dann die Pepsin, wenn sie es gegeben hat das Kind geboren haben.
00:03:06: Jahrhunderte lang streiten sich Historikerinnen und Theologen darüber ob es Johanna überhaupt gegeben hat.
00:03:12: Es ist eines der größten Mysterien der katholischen Kirche Und die tut natürlich alles dafür diese Geschichte zu widerlegen.
00:03:20: Wenn diese Legende wirklich stimmen sollte Dann muss die Kehre natürlich ihre Kiringeschichte neuschreiben.
00:03:27: Das Szenario einer Perp-Stin ist so undenkbar, dass es uns bis heute fasziniert.
00:03:33: Immer noch erscheinen Bücher, Dokumentationen, Romane Spielfilme mit derselben Frage.
00:03:39: Gab es die Perpstin Johanna?
00:03:41: Vielleicht doch!
00:03:47: Stellt euch das Undenkbare vor.
00:03:50: Eine Perpston... ...ist nichts Besonderes Weil wir in einer Welt leben, in der Frauen die Macht haben.
00:03:57: Männerfußball wird nicht geschaut, die Perpstein heißt Lea und in den Schaffetagen von DAX-Konzernen sitzen mehr Michaelas als Männer.
00:04:06: Was wäre das für eine Welt?
00:04:09: Unsere Autorin Paulina Bermudes hat sich einen Ort angeschaut der fast so aussieht.
00:04:14: Die hat sich gefragt woher unser patriarchales System überhaupt kommt Und dabei eine Frau getroffen, die dagegen kämpft.
00:04:23: Ich bin Kaschrauberos
00:04:25: Und ich bin Paulina Bermudes und ich übernehme mal ab hier.
00:04:28: Passt doch, oder?
00:04:30: Ihr hört das undenkbare diesmal Barbieland.
00:04:47: Es gibt eine Frau die für Weiblichkeit steht wie keine andere.
00:04:51: sie ist immer top gestylt super schlank.
00:04:54: Sie hat natürlich keine Körperhaare und trägt immer hohe Schuhe und als wäre das nicht schon genug hat sie ihren Traumjob und lebt in ihrem Traumhaus.
00:05:08: Manche lieben sie, viele hassen sie.
00:05:10: Schließlich ist sie zu dünn, zu konservativ, zu pink – generell einfach viel zu künstlich!
00:05:17: Und die Regisseurin Greta Gerwig bringt diese Frau, die nichts richtig machen kann, genau deshalb auf die große Leinwand und macht sie zur
00:05:27: Feministin.".
00:05:32: In diesem Film lebt Barbie im totalen Matriarchat.
00:05:36: Ihre Freundinnen sind Ärztinnen, Astronautinnen und natürlich auch Präsidentinnen... ...und die Männer sind einfach nur Ken.
00:05:51: Ken ist ein richtiger NPC – Non-Player-Charakter!
00:05:55: Er hat nicht wirklich was zu tun….
00:05:56: er hat nicht mal einen richtigen Job.
00:06:03: Das ist der Running Gag.
00:06:04: Kennt es kein Lifeguard, kein Surfer?
00:06:06: Sein Job ist das einfach am Strand zu sein – Beach eben!
00:06:11: Denn generell dreht sich sein Leben nur um Barbie.
00:06:14: Er tut alles, um ihr zu gefallen.
00:06:28: Immerhin ist es ja Barbies Dreamhouse.
00:06:30: Sie macht die Regeln und die macht sie natürlich perfekt.
00:06:34: Okay, dieser Film ist bewusst überzogen dargestellt.
00:06:45: Aber es gibt auf der Welt schon einige Orte an denen Frauen das sagen haben und Spoiler – den Männern geht's dort trotzdem gut oder vielleicht sogar gerade deswegen?
00:07:05: Ricardo Coler ist Arzt, Journalist und Buchautor.
00:07:08: Er lebt in Argentinien in Buenos Aires.
00:07:11: Wir sprechen digital.
00:07:13: Sein Hund läuft kurz durchs Bild.
00:07:15: Dann hält Coler ein Buch an die Kamera.
00:07:18: Auf dem Kawa ist eine Frau mit einer roten Kopfbedeckung abgebildet.
00:07:23: Es trägt den Namen El Reino de las Mujeres.
00:07:26: Das Paradies ist weiblich.
00:07:30: Mit diesem Paradies meint Coler einen Ort im Südwesten Chinas.
00:07:34: Dort leben die Musus Ein Volk von so rund vierzigtausend Menschen.
00:07:38: Die Besonderheit?
00:07:40: Seit über tausend Jahren haben dort vor allem Frauen das Sagen.
00:07:43: La más pura, la más puras que conocido de todos los matriarchados.
00:07:48: Colère sagt die Mosul leben im Matriarchat.
00:07:51: Das wird auch in der Sprache deutlich.
00:07:53: Große Bäume gelten als weiblich und kleiner als männlich.
00:07:57: Der heilige Berg des Mosuls heißt Weiblicher Berg.
00:08:00: Die kleineren Hügel drumherum sind die Männlichen Berge Und der Lugo-See ist der Muttersee.
00:08:07: Colère ist dorthin gereist, in ein Dorf am Ufer des Muttersees und noch mehr.
00:08:13: Er macht einen Selbstversuch und lebt insgesamt rund zwei Monate unter ihn.
00:08:20: Als Colère vor mehr als zwanzig Jahren da ankommt, checkt er sofort – hier läuft alles anders als zu Hause!
00:08:26: Die Frauen kommandieren die Männer laut herum.
00:08:29: Traditionell ist die Dabou meistens die älteste Frau des Hauses das Herz der Familie.
00:08:34: In ihrem Haus leben alle ihre Kinder und Enkel.
00:08:37: Sie hat das Sagen, und managt das Geld.
00:08:40: Das Erbe wird über die weibliche Linie weitergegeben – also von der Mutter an die Töchter.
00:08:45: Und in so einer Großfamilie lebt Coler jetzt.
00:08:52: Jeden Morgen wird er von den Rufen der Dabu geweckt.
00:08:55: Dann teilt sie den Familienmitgliedern ihre Tagesaufgaben zu.
00:09:01: Coler fällt auf.
00:09:02: Die Moseaux-Frauen behandeln Männer fast wie kleine Kinder.
00:09:09: Die Dabu erklärt, dass Männer nur für zwei Dinge gut sind – schwere körperliche Arbeit und große Entscheidungen.
00:09:19: Männer seien einfach gestreckt, sagt die Dabuu.
00:09:22: Sie sieht sie als eine Art Orakel, das ihr die Entscheidung abnimmt.
00:09:26: Zum Beispiel wenn eine Kuh gekauft wird.
00:09:29: Männer übernehmen also schon Verantwortung, aber nur in ganz bestimmten Bereichen.
00:09:34: Der Dorfvorsteher der die Gemeinschaft nach außen vertritt ist meistens ein Mann.
00:09:38: In der Realität sind Matriarchate nicht so totalitär wie Barbiland und die Moseaux-Männer haben doch etwas mehr zu tun als kennen.
00:09:52: An einem Abend findet im Dorf eine Party statt.
00:09:55: Es ist ein altes Ritual bei dem die Frauen im Mittelpunkt stehen.
00:10:03: Die Frauen, die tagsüber lautstark die Männer anweisen, tanzen jetzt gemeinsam mit ihren Freunden ums Feuer.
00:10:09: Sie tragen aufwendige mit schmuckfazierte Frisuren und buntbestickte Kleider.
00:10:14: Dem Mythos nach ist der Tanz als Kriegstanz entstanden, um Feinde abzuschrecken – und Siege zu feiern!
00:10:21: Und zum Flirten.
00:10:24: Was nach dem Tanz folgt, ist so was wie ne kurze Ehe.
00:10:27: Das Beziehungsmodell der Mosoho unterscheidet sich nämlich radikal von fast allen anderen Kulturen.
00:10:35: Paare leben nicht zusammen, es gibt keine Hochzeit.
00:10:38: Nur das Prinzip der sogenannten Besuchsehe.
00:10:46: Wenn eine Musurfrau volljährig wird bekommt sie das so genannte Blumenzimmer.
00:10:51: Dieses Zimmer hat oft einen separaten Zugang zur Straße und hier hat sie das alleinige Hausrecht.
00:10:57: Welchen Mann sie nachts in ihr Zimmer einlädt entscheidet also ganz alleine sie Und noch vor Sonnenaufgang muss der männliche Besuch das Blumenzimmer wieder verlassen.
00:11:07: Das ist also quasi wie bei einem One-Night-Stand, nur dass er eben auch ein Leben lang dauern kann.
00:11:15: Und wenn die Frau kein Interesse mehr an dem Mann hat dann kann sie sich einfach von ihm abwenden und einen neuen suchen – Die Männer by the way auch!
00:11:32: Eifersucht gibt es nicht.
00:11:39: Kulär erzählt mir auch das Konzept eines Vaters, wie wir es kennen, gibt es bei den Mosuren nicht.
00:11:44: Der biologische Vater ist zwar oft bekannt aber die Kinder wachsen im Haus der Mutter auf und sie tragen auch nur ihren Nachnamen.
00:11:52: Trotzdem kümmern sich auch Männer um die Kinder Nur eben nicht um die eigenen sondern um die kinder die mit im haus leben Also die Kinder ihrer Schwester.
00:12:04: Was Colère auch beobachtet,
00:12:05: es
00:12:06: gibt bei den Mosou keine Gewalt.
00:12:08: Er sagt das liegt auch daran dass Frauen das sagen haben.
00:12:15: Das Matriarchat ist ein Kinderspiel, sagt Colère und einen Paradies für Männer weil die einfach die Partnerin wechseln können ganz ohne Konsequenzen Und sie müssen sich um nichts kümmern bei ihrer Mutter.
00:12:37: Was will man mehr?
00:12:45: Schön wär's, aber hey to break it to you.
00:12:48: wir leben leider noch nicht in dieser Welt.
00:12:50: In unserer Welt haben Männer das Sagen Aber warum eigentlich?
00:12:56: Vielleicht denken jetzt manche von euch ist ja ganz klar Männer sind halt stärker.
00:13:00: Wir sprechen in dieser Folge übrigens von biologischem Geschlecht Nicht von Gender.
00:13:06: Also Wenn wir uns diesen biologischen männlichen Körper anschauen dann hat er im Schnitt rund vierzig Prozent mehr Muskelmasse im Oberkörper, eine deutlich höhere Knochendichte und eine stärkere Herzleistung.
00:13:19: Männer sind also tatsächlich größer, schwerer, schneller und rein physisch kräftiger als Frauen – und das ist die wohl einfachste Erklärung für das Patriarchat überhaupt!
00:13:30: Der Stärkere setzt sich eben durch.
00:13:33: Klingt vielleicht erstmal logisch, ein Blick in die Tierwelt zeigt aber schnell so einfach ist es nicht.
00:13:47: Erinnert ihr euch an King Julian aus dem Animationsfilm Madagaskar?
00:13:52: Der selbstverliebte König, der dieses Lied singt und Sachen sagt wie... Tja.
00:14:08: Hollywood hat uns belogen!
00:14:10: In der echten Welt der Katas, also dieser kleinen Affen, wäre Julian nie König geworden.
00:14:17: Bei den Katas herrschen nämlich die Weibchen – sie fressen zuerst und bei einem Konflikt unterwerfen sich die Männer mit einem Schrei.
00:14:28: In der Hierarchie steht sogar das rangniedrigste Weibjen über dem ranghöchsten Männchen.
00:14:33: Bei Kattas herrschte ein Matriarchat.
00:14:36: Das kann nicht viel zu tun haben, weil Männche und Weibje sind exakt gleich groß!
00:14:44: Trotzdem ist das gar nicht so ungewöhnlich.
00:14:47: Das hat das Primaten-Zentrum Göttingen, in der wir die Dominanzverhältnisse haben bei fast allen Primaten untersucht.
00:14:57: Und surprise?
00:14:58: Nur bei den wenigsten – siebzehn Prozent – haben die Männchen das Sagen!
00:15:05: Die Biologie zwingt uns das Patriarchat also nicht auf… aber wer
00:15:09: dann?!
00:15:11: Wir wissen es nicht genau, es gibt aber Theorien.
00:15:14: Eine davon sagt Das Patriarchat kommt aus der Steinzeit, also literally.
00:15:20: Damals leben die meisten Menschen in kleinen Gruppen als Jäger und Sammler – Nomaden, die umherziehen und fast nur das besitzen, was sie mit sich tragen können.
00:15:30: In dieser Welt gibt es flache Hierarchien — und Geschlecht bestimmt dabei nicht über den Stand in der Gruppe.
00:15:39: Harald Ringbauer ist Archogenetiker am Max-Planck-Institut in Leipzig.
00:15:45: Er ist so was wie Shellocomes.
00:15:47: Nur seine Spur ist das Erbmaterial längst ausgestorbener Kulturen.
00:15:51: Werden Jäger samtler, können wir gar nicht nur sagen, weil die ebenso mobil waren diese Gruppen, dass man da jetzt oft nicht ein Stammbaum fassen kann.
00:15:59: Jägers und Sammler sind immer unterwegs.
00:16:01: viel zu vererben gibt es da also nicht.
00:16:04: Das ändert sich aber vor etwa Zehntausend Jahren.
00:16:07: Da werden die Menschen sesshaft.
00:16:09: sie bauen Häuser züchten Tiere Und bestellen Felder.
00:16:12: Also Ackerbau hat Populationsgrößen wachsen lassen.
00:16:16: Aber natürlich, wenn die Populations- grössten Wachsen stößt man wieder an die Grenzen und dann kommt sie jetzt einen neuen Rehmer
00:16:23: rein.".
00:16:24: Weil es mehr Ressourcen gibt, bekommen Frauen im Durchschnitt mehr Kinder – das wirkt sich auch auf das Verhältnis zwischen den Geschlechtern aus.
00:16:31: Denn Sie sind häufiger schwanger, müssen sich länger um Kinder kümmern und bleiben deshalb mehr zu Hause!
00:16:37: Die Außenwelt wird zum Bereich der Männer Und zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte gibt es mehr als das, was man am selben Tag verbrauchen kann.
00:16:46: Ressourcen werden angehäuft und gelagert.
00:16:55: Plötzlich stellt sich die Frage wer verteidigt diesen Besitz?
00:16:59: Wer erbt die Kuh den Hof das Land?
00:17:02: Die Antwort auf diese Fragen ist fast überall auf der Welt dieselbe Männer.
00:17:12: Das ist eine Theorie.
00:17:14: Die Wissenschaft ist sich uneinig.
00:17:17: Ist aber irgendwie auch egal, den Salat haben wir ja schon!
00:17:21: Die Tür aufgeht.
00:17:55: Eine dreihundzwanzigjährige Studentin betritt den Raum und der Mann sticht zu, viermal in die Brust.
00:18:03: Die junge Frau stirbt.
00:18:06: Der Täter wird festgenommen und gesteht sofort.
00:18:10: Er habe sie getötet weil Frauen ihn immer schon ignoriert hätten.
00:18:14: Und obwohl er so offen gestehte die Studentin nur wegen ihres Geschlechts getötete zu haben, stempeln die Behörden die Tat als isolierten Warnvorfall ab.
00:18:23: Schizophrenie!
00:18:24: Ein Einzelfall eben.
00:18:38: Das
00:18:38: ist Mingyung Li, sie ist damals auch Studentin in Seoul.
00:18:50: Mingyong Li ist geschockt.
00:18:52: In den Tagen nach dem Mord geht sie immer wieder zum Tatort.
00:18:55: An der Gangnamstation in der Nähe der Karaoke Bar kleben hunderte kleine Post-Its.
00:19:01: Eine Mahnwache für die junge Studentin.
00:19:12: Mignon Li will nicht mehr weiter zusehen, sie will etwas tun und schreibt innerhalb von neun Tagen ein Buch.
00:19:20: Eine Anleitung für Frauen um den alltäglichen Sexismus nicht hinzunehmen.
00:19:26: Als sie das Manuskript hoch lädt und per Crowdfunding finanzieren will, hofft sie dass es überhaupt jemand lesen will.
00:19:33: Aber ihr Handbuch We Need Language trifft einen Nerv.
00:19:44: Komplett unvorbereitet wird Mingyong Li über Nacht zur Bestseller-Autorin.
00:19:48: Das Manifest einer wütenden Frauengeneration macht sie zu einer Leitfigur des feministischen Aufstands in Südkorea.
00:20:01: Dieser Femizid in Seoul, der hat etwas verändert.
00:20:05: Nicht nur bei Mingyong Li sondern im ganzen Land.
00:20:18: Die vier B-Bewegung entsteht.
00:20:21: Vier B steht für vier koreanische Begriffe die alle mit b beginnen.
00:20:25: Das heißt so viel wie Nein.
00:20:27: Nein zum Dating mit Männern, nein zum Sex mit Männernen, nein zur Ehe mit Männernd und nein zum Gebären von Kindern – quasi ein Männerboykott!
00:20:39: Die Frauen der VB-Bewegung ziehen einen kompromisslosen Schlussstrich Sie entziehen Männern jeden Zugang zu ihrem Körper und zu ihrem Leben.
00:20:47: sie verweigern diesem System dass sie ihr ganzes Leben lang benachteiligt.
00:20:52: die Teilnahme.
00:20:53: Es ist ein Protest, der durch Abwesenheit passiert.
00:21:05: Die Bewegung spielt sich online ab.
00:21:07: Viele Frauen wollen anonym bleiben, aus Angst.
00:21:10: Geschätzt leben bis zu fünfzigtausend Frauen in Südkorea nach der VB-Regel.
00:21:15: Viele sehen es auch als Sicherheitsvorkehrungen.
00:21:18: Denn die meisten Femizide werden von Partnern oder Expartnern begangen.
00:21:26: Die Bewegung geht auf TikTok viral und Frauen auf der ganzen Welt schließen sich an.
00:21:31: Kurz nachdem Trump zum zweiten Mal Präsident wird, übernehmen Frauen in den USA das Konzept.
00:21:57: Diese radikale Verweigerung streut Salz in Südkoreas empfindlichste Wunde, denn das Land hat die niedrigste Geburtenrate auf der Welt.
00:22:06: Die Frauen entziehen dem geschwächten Staat also genau das, worauf seine Macht basiert – die nächste Generation.
00:22:14: Und...after
00:22:15: many things were changed!
00:22:23: Die Gesetze gegen digitale Sexualverbrechen werden verschärft.
00:22:39: Und im Jahr ist es auch ein eigenes Anti-Stalking-Gesetz verabschiedet, und das ganze Land spricht über Feminismus.
00:22:55: Für Mingyong Li ist die Revolution aber noch nicht vorbei.
00:23:15: Die Ungleichheit sei ja immer noch da.
00:23:17: In jedem Haus, in jeder Familie Das Patriarchat funktioniert, weil es Frauen isoliert.
00:23:42: Min Yong Li will das ändern.
00:23:45: Sie setzt auf Bildung finanzielle Unabhängigkeit und Vernetzung.
00:23:50: Dafür hat sie in Seoul eine Sprachschule mit Kaffee gegründet.
00:23:55: Dort bildet sie Frauen aus.
00:23:58: In diesem System ist ihre Antwort Frauen müssen besser sein, schlauer sein und vor allem sich vernetzen.
00:24:13: Das
00:24:36: Undenkbare ist eine Kurproduktion von Andan & Storming-Dunky Productions.
00:24:42: Ich bin Paulina Bermudes.
00:24:43: ich habe diese Episode geschrieben.
00:24:46: Unser Producer ist Mathieu Braun Redaktionelle Mitarbeit Katrin Evalin, Mathilde Fuhr, Clara Loser, Angelina Burga, Lea Knies.
00:24:57: Fake-Checking, Angeline Burga und Lea Knieß.
00:25:01: Technische Produktionen & Sounddesign Janik Werner Musik Benjamin Dresd Coverart Ramstudio Executive Producer für Andan.
00:25:12: Caschao Beros Executive Producer for Storming Donkey Productions Stefanie Plattner und Ekrem Ergün.
00:25:21: Projektleitung Storming-Dunkey Productions Kai Kühnemann und Anna Wollny.
00:25:27: Danke an alle Menschen, die mit uns für diesen Podcast gesprochen haben!
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